Franjo Klopotan geb. 1938 in Presecno/Kroatien
Franjo Klopotan gehört zu den eigenständigen Malern, die im weiteren Sinne der naiven Malerei zuzuordnen sind. Klopotan ist in Kroatien auf dem Lande aufgewachsen. Einige Stilelemente seiner Hinterglas- und Leinwandbilder sind der Malerei von Ivan Generalic verpflichtet, wenngleich Klopotan nicht der sog. Schule von Hlebine zuzurechnen ist. Inhaltlich und stilistisch hat Klopotan sich eine eigene, ganz persönlich geprägte Bildwelt erfunden, wobei der Maler außerordentliche technische und künstlerische Fähigkeiten entwickelt hat.
Anfang der 1970er Jahre hat die Galerie Zimmer in mehreren Ausstellungen die jeweils neuen Bilder des Malers vorgestellt und sehr zur Bekanntnheit Franjo Klopotans in Deutschland mit internationaler Auswirkung beigetragen. Aus dieser Zeit stammen auch die hier zum Kauf angebotenen Hinterglas- und Leinwandbilder, in denen der Maler seine originären Bildvorstellungen entwickelte. Den Sammlern und einem an der naiven Kunst interessierten Publikum eröffnete sich mit diesen Bildern damals eine neue Bildwelt, die auch heute noch in jeder Sammlung naiver Kunst eigene Akzente setzen.
Die Bilder Franjo Klopotans weisen den Maler als einen Erfinder irrealer Bildwelten aus, bei denen sich der Maler ganz der Führung seiner persönlichen Vorstellungswelt anvertraut. All die fremdartigen Wesen, die in den Traumlandschaften seiner Bilder auftauchen, haben sich aus der Vorstellungswelt, den Wachträumen eines Kindes entwickelt, als wären sie das eigentlich Reale dieser Welt. Nächtliche Dunkelheit, Alleinsein bestärkten des Kind in seinem Glauben an die Dämonen der Nacht. Fest war es davon überzeugt, daß des nachts, wenn die Menschen in ihren Häusern schlafen, die Natur den Dämonen gehört, daß die Dunkelheit die Verwandlung ihrer Gestalt aus dem Geäst der Bäume und Sträucher schützt und sie als fliegende Wesen die Luft bevölkern. Das nächtliche Pfeifen des Windes klang dem Kind wie der Flügelschlag der Luftgeister.
Das Kind hörte die Gespenster gegen das Dach pochen, und wenn es vorsichtig aus dem Fenster schaute, begünstigte die Finsternis seine phantastischen Visionen: In dem knorrigen Geäst eines hockenden Busches bewegte sich die Gestalt eines Zwitterwesens, halb Mensch, halb Baum. Flaumige Paradiesvögel umschwirrten den Waldgeist. Die blattlosen Äste eines abgestorbenen Baumes streckten sich wie Hände in die Luft, um nach einem vorüberfliegenden Blumenbusch zu greifen.Freundliche Luftgeister suchten einen übermächtigen Drachen, bewehrt mit spitzen Stacheln, von dem bedrohten Dach des klopotanschen Hauses zu vertreiben.
Die Dämonen der Kindheit sind dem Maler in sein Erwachsenen-Dasein gefolgt. Jedoch in modifizierter Gestalt. Persönliche Erlebnisse tragen Züge des Phantastischen. Die Bedrohung kommt nicht mehr von den nächtlichen Dämonen, sondern die Ereignisse des Lebens selbst stellen die Bedrohung dar, Leben und Utopie vermischen sich. Waren Klopotans frühe Bilder die Aufzeichnungen der Wachträume eines phantasiebegabten Kindes, so benutzte der Maler bei zunehmender Erkenntnis seiner künstlerischen Fähigkeiten die Erinnerungsstücke der Kindheit, um sich eine eigene Bildaussage zu schaffen. Der Künstler erinnert sich an die Meere als Ursprung des Lebens und läßt die beiden Elemente Luft und Wasser zu einem einheitlichen Kosmos zusammenfließen. In diesem neu erschaffenen, irrealen Lebensraum einer phantastischen Tiefseeflora nehmen Mischwesen aus Mensch und Tier, aus Pflanzen und Menschen, neue Gestalt an.
In einigen Bildern kehrt Klopotan in seine ländliche Herkunft zurück. Ein Mädchen beim Füttern der Truthähne, ein anderes Mädchen beim Pflücken der Schlüsselblumen - aber auch diese Bilder werden von einer eigenartigen Stimmung geprägt - mehr als von der figurativen Darstellung - einer Stimmung, die der Maler meisterlich aus dem Umfang mit der Farbe zu erzeugen vermag.
Elke Zimmer
Einzel-Ausstellungen in der Galerie Zimmer: 1971, 1973, 1974, 1976, 1977
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