Max Raffler/ Deutschland Greifenberg 1902 - 1988
Max Raffler gehört zu den bekanntesten deutschen naiven Malern. Zum Malen war ihm ein langes Leben beschieden. Die Vielzahl seiner Aquarelle hat Eingang in viele Sammlungen gefunden. Max Raffler lebte als Bauer in Greifenberg am Ammersee. Ein Nachbar mit Kunstblick war schon früh auf seine Bilder aufmerksam geworden. Dadurch ist belegt, daß Max Raffler bereits in den 1930er Jahren malte. Auch aufgrund der Nachfrage und Anerkennung, die Max Raffler viele Jahre lang erfuhr, hörte er bis ins hohe Alter nicht auf zu malen. Seine Themen erweiterten sich von anfänglich mehr bäuerlich-ländlichen Motiven später durch Anregung eines Pfarrers in seiner Umgebung um biblische Geschichten. Im Laufe der langen Jahre entstand ein umfangreiches Werk, über das zahlreiche kleinere Publikationen erschienen.
Wir haben Max Raffler in den 1970er Jahren mehrfach besucht und trafen immer einen stillen, in sich gekehrten Mann, der nicht viel sprach.
Am 8. Oktober 1902 wurde Max Raffler in Greifenberg am Ammersee geboren. Eine abwechslungsreiche Biografie hat er nicht aufzuweisen. Die Eltern waren Bauern, der Vater über viele Jahre - von 1911 bis 1933 - Bürgermeister des Dorfes. Max besuchte die Volksschule und blieb fortan in seinem Dorf. Größere Reisen hat er nicht unternommen. Als die Eltern starben, übernahm er den Hof, auf dem er bis zu seinem Tod mit seinen beiden Schwestern lebte.
Es wird berichtet, daß Max Raffler schon als Kind gern malte. Als junger Mann blieben ihm für das Malen immer nur die Zeit der Abendstunden und Sonntage, wenn die Arbeit auf dem Hof getan war. Sein Weihnachtswunsch war jedes Jahr ein Malkasten. Papier wurde nicht eigens für seine Liebhaberei gekauft. Als Malgrund dienten ihm in den frühen Jahren Packpapier, gar Papiersäcke, die er zurechtschnitt, sowie ausgediente Formulare, die der Vater aus der Bürgermeisterei mitbrachte. So malte er seine Bilder in jenen Jahren über handschriftliche und gedruckte Texte. Von diesen alten Bildern ist nur ein Bruchteil erhalten. In seiner häuslichen Umgebung hatte man zunächst nur wenig Sinn für die Mal-Manie Maxens. Wenn sich wieder zuviel bemaltes Papier angesammelt hatte, wurde es verbrannt.
Das minderte indes nicht den Drang zum Malen, und wie alle authentischen Naiven malte Max Raffler unbeirrt von der Meinung Anderer weiter seine Bilder. In seinem bayerischen Greifenberg ist Max Raffler umgeben von einer langen Tradition volkstümlichen Schaffens. Die Architektur ist von der Barockkunst geprägt. Die reichen Stukkarbeiten in den Kirchen wurden von Männern ausgeführt, die zeit ihres Lebens Bauern und Handwerker waren. Die Schnitzkunst war in den Dörfern verbreitet. Die Hinterglasmalerei, die Votivbilder in den Kirchen, die Wegkreuze bezeugen eine Tradition der Volkskunst ebenso wie Schränke und Truhen, die von Bauern bemalt wurden. Antrieb zu solcher Tätigkeit war einerseits der Wunsch nach Ausschmückung des Alltags und nach Festlichkeit, andererseits eine volkstümliche Frömmigkeit. Die Volkskunst gehört weitgehend der Vergangenheit an, das Bedürfnis nach Bildern indes offenbart sich in der individuellen Ausdrucksweise der naiven Maler des 20. Jahrhunderts, so auch bei Max Raffler.
Aber nicht nur an die Volkskunst vergangener Zeiten fühlt man sich erinnert, sondern manche Landschaftsaquarelle von Max Raffler erinnern an die Abstraktion und Farbkraft der Expressionisten, insbesondere an Gabriele Münter. Mit solchen Bildern gelingen dem naiven Maler Aquarelle von großer Strahlkraft: ziegelrote Dächer leuchten aus dem tiefen, frischen Grün der weiten, wiesenbewachsenen Berge. In solchen Aquarellen nähert sich der naive Maler unbewußt der Entwicklung der modernen Kunst.
Wie alle echten Naiven malt Raffler, wozu er eine persönliche Beziehung hat: die Dinge, die ihn umgeben, die für sein Leben von Bedeutung sind - das können Gegenstände des Alltags sein, bäuerliches Gerät, Arbeiten und Gebräuche, Festtage und Prozessionen, biblische Geschichten, die Landschaft, in der er lebt, Blumen und Wiesenkräuter, Tiere des Hofes und in der Natur. In all diesen Bildern kommt eine stille Beobachtungsgabe, eine tiefe Verbundenheit mit dem Dargestellten zum Ausdruck und die Fähigkeit, den Dingen und Begebenheiten mit feinem Farbempfinden auf Dauer im gemalten Bild Gestalt zu geben.
Elke Zimmer
Einzelausstellungen in der Galerie Zimmer: 1977 und zahlreiche Beteiligungen bis heute
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