Ondrej Steberl - Slowakei: Pezinok 1897 - 1977
Ondrej Steberl dürfte der bedeutendste bekanntgewordene naive Maler der Slowakei sein. Seine Bilder fanden Eingang in Museen ebenso wie in viele Privatsammlungen vorwiegend in Europa.
Die erste Einzelausstellung seiner Bilder in unserer Galerie zeigten wir 1974. Damals erschien eine kleine Monographie mit einem aufschlußreichen Text von Dr. Volker Dallmeier. Im Jahre 1977 richteten wir Ondrej Steberl aus Anlaß seines 80. Geburtstages die zweite Einzelausstellung in unserer Galerie aus. Die hier veröffentlichten Angaben basieren auf einem Text von Dr. Volker Dallmeier.
...Während der 3. Triennale für Insite Kunst 1972 besuchten wir, meine Frau und ich, Steberl erstmals in Bratislava. Wir waren tief beeindruckt von der Bescheidenheit und menschlichen Ausstrahlungskraft des alten Mannes... Persönlichkeit und Ausstrahlung des Menschen Steberl verschafften uns Zugang zu seiner eigenen Bildwelt. Steberl trägt nicht das Herz auf der Zunge... Mit geschlossenen Augen erzählt er von seinen Träumen, seinen Wünschen, seinem Glauben. Er entwickelt die ihm eigene Sicht von Tod und Auferstehlung, das Gesicht nach innen blickend. Jugendbilder werden wach, die Mutter, der Krieg, Folterungen, Krankheit, Familienglück. Steberl sieht Bilder, die uns teilnehmen lassen an seinem wechselvollen Leben. Er will sich uns mitteilen, ohne uns überzeugen zu wollen. Die Klarheit der Erzählung findet ihren Ausdruck in der Einfachheit der bidnerischen Darstellung. Hier verschmelzen Person und malerisches Werk zu einer geschlossenen künstlerischen Einheit...
...Nach dem
Besuch der Volksschule wurde Steberl Streckenarbeiter bei der Eisenbahn.
Später arbeitete er in einem Wasserwerk und als Maurer. Bei Ausbruch
des 1. Weltkrieges war er in einer Schokoladenfabrik tätig.
1915 wurde er eingezogen und zuerst an der russischen Front eingesetzt, dann
in Albanien. Persönliche Kriegserlebnisse schildert Steberl etwa 50
Jahre später in seinen Bildern. 1918 kehrt er aus dem Krieg zurück.
In der Zwischenzeit war seine Mutter verstorben. Später malt Steberl
das Grab seiner Mutter. Christlicher Glaube und kindliche Vorstellung
führen zur bildlichen Darstellung der Auferstehung der Mutter von den
Toten.
1923 ging Steberl als Farmarbeiter für ein Jahr nach Frankreich. Dort
lernt er eine ältere Frau kennen. Diese flüchtige Liebesgeschichte
wird später Inhalt vieler Bilder, in denen Steberl die Frau groß
und schön in den Vordergrund stellt und sich selbst klein und
zurückgezogen zeichnet. Nach der Rückkehr aus Frankreich hilft
Steberl einige Jahre im väterlichen Weinberg. 1929 ist er endlich von
der Malaria geheilt, die ihn seit dem Kriege plagt. Er erhält eine
Anstellung als Briefträger. Steberl heiratet und hat Kinder. 20 Jahre
arbeitet er als Briefträger und 10 weitere Jahre im Innendienst der
Post.
1962 geht er in Pension. 1963 wird er infolge eines Beinbruchs bettlägerig.
Sein Schwiegersohn erinnert sich an die kleinen Aquarelle, die Steberl vor
längerer Zeit gemalt, 1963 aber scheinbar grundlos vernichtet hatte.
Er rät ihm, die Malerei wieder aufzunehmen. Nach anfänglichem
Zögern wird die Malerei ab 1964 für Steberl zu einer wichtigen
Beschäftigung, ab 1972 - nach dem Tod seiner Frau - dann zum wichtigsten
Lebensinhalt...
Volker Dallmeier im Begleitheft zur Ausstellung Ondrej Steberl 1977 in der Galerie Zimmer, Düsseldorf
Einzel-Ausstellungen in der Galerie Zimmer: 1974, 1977, 1982 und zahlreiche Beteiligungen bis heute
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