Art Brut - Naive Art, Naive Kunst   [ Zurück / Back ]

Naive Kunst - ein kurzer Rückblick

Die Naiven waren in den 1960er/Mitte der 70er Jahre unabhängig von der zeitgenössischen professionellen Kunst die eigentlichen Entdeckungen. Sie offenbarten Bilder einer bis dahin nicht gekannten Weltsicht. Vorausgegangen war Anfang des Jahrhunderts der große naive Maler Henri Rousseau und die Naiven der ersten Generation; in Frankreich Seraphine Louis, Louis Vivin, André Bauchant und Camille Bombois; in Deutschland Adalbert Trillhaase und Carl Christian Thegen.

Das zweite Erscheinen der Naiven in den 1960/er, 70er Jahren wurde schnell von Museen, Galerien und Ausstellungsmachern aufgenommen. Es fanden international bedeutende Ausstellungen statt, die wesentlich für Bekanntheit und Beliebtheit der naiven Kunst sorgten - so „De Lusthof der Naieven“ 1964 in Rotterdam, und 1974/75 „Die Kunst der Naiven“ in Zürich und München, ausgerichtet von Oto Bihalji Merin. Zentren der naiven Kunst bildeten sich in den Museen Recklinghausen, Neuss, Zagreb und Bratislava. 1972 erschien die noch aus heutiger Sicht wichtigste, weil grundlegende, Publikation zum Thema: „Das naive Bild der Welt“ von Oto Bihalji Merin.

Die Galerie Zimmer führte seit ihrer Gründung (1970) in den 1970er Jahren etwa 90 Ausstellungen zum Thema Naive Kunst durch. Sie wurde damals schnell eine der führenden Galerien für dieses Spezialgebiet in Deutschland. Durch ihre Ausstellungen, die in kurzen Abständen folgten und von kleinen informativen Publikationen zu den Künstlern begleitet waren, kam es zu einer großen Verbreitung der naiven Malerei in deutschen Sammlungen. Wir stellten viele der dann international bekanntgewordenen Naiven vor. Die Schwerpunkte lagen bei der naiven Malerei aus Deutschland, Polen, der Slowakei, dem damaligen Jugoslawien, Holland, Belgien, Italien, Frankreich und Brasilien. Die meisten der naiven Künstler haben wir damals in ihrer häuslichen Umgebung besucht und die Bilder für unsere Ausstellungen bei ihnen persönlich erworben.

Durch den ständigen Gedankenaustausch mit Sammlern und Museen trugen die Ausstellungen der Galerie Zimmer wesentlich zur Meinungsbildung und Begriffsklärung bei. 1980 stellte die Galerie noch einmal eine programmatische Ausstellung unter dem Titel „Von Grandma Moses bis Ivan Generalic“ zusammen, zu der ein Katalog erschien. Besondere Aufmerksamkeit schenkte die Galerie auch in der Folge den deutschen Naiven Erich Bödeker (Plastik), Minna Ennulat (Bilder) und Josef Wittlich(Bilder), die unzweifelhaft zu den authentischen Naiven zu zählen sind.

Auch heute verfügen wir über große Sammlungsbestände aus den 1960er/70er Jahren, die als die eigentliche „hohe Zeit“ der naiven Kunst in Europa gelten mag. Ausstellungen finden auch weiterhin in loser Folge statt.


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und der Galerie Zimmer, Düsseldorf.